Nordisches

Als Kind gehörte „Wickie“ für mich zu den Sternstunden der Fernsehunterhaltung. Der kleine Junge aus Flake war clever, die Mannschaft um seinen starken, aufbrausenden, aber weniger schlauen Papa und Häuptling Halvar fand ich total witzig, den schrecklichen Sven gemein, aber zum Glück doof. Der Ausruf „Ich bin entzückt!“ mit Luftsprung von Gorm ist gar zu einem Internet-Meme geworden.

Hoppsa 😁

Wobei ich das vom folgenden Film nicht sagen kann.

KINO-UPDATE. Oh ja, sehr gemütlich im Kinosessel, während kalter Schneeregen ein paar Wikinger-Schiffe auf eine öde Küste zusteuern lässt. Wir schreiben das Jahr 800irgendwas, womit verbunden ist, dass die meisten Leute während des Films dreckig und abgeranzt daherkommen, was in der Maske bestimmt anstrengend war. Aber zuerst kehrt König Aurvandil von einer Beutetour zurück und zumindest sein etwa 10-jähriger Sohn freut sich ehrlich. Noch im Stande der Unschuld und daher außergewöhnlich sauber wird er von seinem schwer verwundeten Vater zu einem Schamanen geschleppt um mittels einer Zeremonie aus Blödsinn, Alkohol und halluzinogenen Pilzen Kontakt zu den Ahnen und seiner Bestimmung zu erlangen. Die Schamanen und die Pilze werden dann auch im weiteren Verlauf der Geschichte immer wieder gern eingesetzt, zum Beispiel mit Björk als Hexe oder mit recht gut computeranimierten Raben, denn der Papa des kleinen Amleth ist der Rabenkönig. Aber nicht mehr lange, der aufmerksame Zuschauer hatte bereits bemerkt, dass sein Bruder Fjölnir was mit der Königin am Laufen hat, es ist die arme Nicole Kidman, die mit derart Mega-Extensions ausgestattet wurde, dass sie meistens am Kämmen oder Haareflechten ist. Außer, als sie mit einem Messer auf ihren Sohn losgeht, aber das erst im späteren Teil. Vom Anfang wollt ihr gar nicht mehr so viel wissen, außer das Klein-Amleth zum langhaarigen, übertrainierten Berserker wird. Natürlich kann er dem ganzen Blut und Ehre – Schmodder, der während des Films von den Walküren rücksichtslos über der Filmcrew und dem Publikum ausgegossen wird, nicht entkommen. Nicht einmal Anya Taylor-Joy schafft das, die diesmal Olga vom Birkenwald heißt und platinblond von der Leinwand leuchtet.

Ihr wolltet den als episch bezeichneten Film The Northman sowieso nicht gucken. Gute Entscheidung 😉

15 Kommentare

  1. Wickie war neben Pumuckl und Biene Maja das einzige, was ich als Kind fernsehen durfte. Zumindest bis ich 14 oder so wurde. 😐

    Wer auf Wikinger-Entzug ist, aber diesen Schrottfilm nicht ansehen möchte, der/die könnte zu den „Hägar“-Comics greifen.

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      1. Ich bin einmal bei einem Kung-Fu-Film früher rausgegangen, der so peinlich schlecht war, dass mir das Kino von sich aus eine Freikarte dafür gab.

        Und dann gab es die paar Male, wo ich nur durchgehalten habe, damit der Kleinkinobetreiber nicht traurig ist.
        Ich erinnere mich zB an „Die große Stille“, ein Dokumentarfilm, preisgekrönt und bla-bla, über ein Schweigekloster.
        Gut, was habe ich da auch erwartet, kann man sich fragen. (-: Aber da hätte ich lieber zwei Stunden in den Wald gehen sollen.

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  2. Jetzt gefunden: „Malina“ nach einem Roman von Ingeborg Bachmann, Regisseurin Elfriede Jelinek…als meine Freundin und ich im Studium dachten, wir müssten intellektuell sein und „Die Haut, in der ich wohne“ von Almodovar, als mein Mann und ich uns einen netten Abend machen wollten :))) Wer sich schlecht fühlen will, dem empfehle ich die Doppelpackung. Reicht jahrelang.

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  3. Als meine Nichte in der Grundschule war, war ihre Klasse mal im Fernsehen. Die Lehrerin ließ die Kinder singen – man muss dem Zuschauer ja was bieten – und alle sangen „im Frühtau zu Berge wir ziehn, fallera…“. Dann schwenkte die Kamera auf meine Nichte. Hören konnte man es zum Glück nicht, aber man sah die Lippenbewegungen. Sie sang: „Hey, hey, Wicky, hey Wicky hey…“

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    1. Ich habe Gerüchte gehört, dass sie als Nebenrollenbesetzung quasi für jeden Film gebucht wird, der auf Island gedreht wird. Dass es diesmal an der Qualität haperte, ist wohl Pech. Als Schamanin hätte man natürlich von ihr mehr Voraussicht erwarten dürfen.

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