Mütterliches

In einem schon länger zurückliegenden Spanienurlaub lag ich am Strand und betrachtete die vorbeiflanierenden Menschen. Verliebte Paare, ambitionierte Jogger, Omas mit Enkeln, Gruppen quietschender Jugendlicher mit und ohne Frisbees und die obligatorischen Anbieter von Wassermelonen und Sonnenbrillen. Eine Frau stach aus der Menge der Gestalten heraus. Ihre Ausstrahlung habe ich bis heute vor Augen. Sie lief mit ihrem etwas dicklichen etwa 12-jährigen Jungen am Wasser entlang und platzte beinahe vor Stolz und Glück über ihren prächtigen Sohn. In dieser Hinsicht hätte sie sich mit der Hauptfigur dieses Filmes 100%ig verstanden.

KINO-UPDATE. Murat ist auch so ein Lieblingssohn. Die unbedingte Liebe und Hingabe seiner Mutter muss er sich zwar noch mit zwei deutlich jüngeren Brüdern teilen. Aber das Herz seiner Mutter ist groß. So traut er sich auch erst vom Flughafen aus zu sagen, dass er eine etwas problematische Reise in den Nahen Osten antritt. Er will nämlich ein guter Moslem sein, was seine Mutter ehrenwert, aber hochgradig überflüssig findet. Sie weiß zu diesem Zeitpunkt zum Glück noch nicht, dass sie ihren Sohn 5 Jahre lang nicht sehen wird. Und erst später wird ihr bewusst, dass er in Guantanamo, einem der Schandflecke der Menschheit, ohne Anklage unter unwürdigen Bedingungen festgehalten wird.

Trotz der ernsthaften Thematik ist der Film aufgrund der Hemdsärmeligkeit und burschikos-liebevollen Art der Mutter auch amüsant und unterhaltsam. Wie sie einen verknöcherten Anwalt zur Mithilfe bewegt, sich in Ankara zum Minister vordrängelt und schließlich sogar in den USA vor die Presse tritt, ist witzig und anrührend zugleich. Autorin und Comedienne Meltem Kaplan spielt die Rolle der Rabiye Kurnaz mit Herzblut und Mutterwitz.

Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush lief gerade im Rahmen der interkulturellen Wochen im Kino Steinfurt. Wer Gelegenheit hat, sollte sich diesen Film ansehen.

2 Kommentare

  1. Den Film will ich auf jeden Fall sehen!

    Ich bin auch immer noch enttäuscht, wie unbeschadet unser jetziger Bundespräsident aus der Affäre herauskam. Dass Deutschland sich nicht für seine Freilassung stark machte, ja sie sogar ablehnte, als die US-Regierung das anbot, das ist echt der Hammer.
    Und bei einem Häftling, der Hans oder Friedrich anstatt Murat hieße, wäre es wahrscheinlich anders gelaufen.

    Gefällt 1 Person

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