Bewaldetes

Ist doch komisch, dachte ich gestern auf dem Weg zum Markt in Münster, dass der Körper dieses Gefühl der totalen Hitze so schnell vergessen hat. Ich war nämlich ziemlich froh über meinen 30 Jahre alten Regenanzug, der nicht nur vor dem Nieselregen schützte, sondern auch eine gute Wärmedämmung abgab. Die Belohnung für die Wahl des Fortbewegungsmittels erfolgte auf dem Rückweg in Form von Sonnenschein und weißen Wolken vor blauem Himmel. Aber was ich eigentlich sagen wollte, auch der Rasen, bei uns allerdings zu gut 50 Prozent anderes Gewächs, hat sich gut erholt und ist meistenteils wieder grün. Einen großen Anteil daran haben die drei Bäume auf unserem Rasen, deren Schatten in früheren Jahren einen englischen Gärtner nicht erfreut hätte, denn unter den Bäumen wuchs vor allem das Moos am Besten. In diesem Sommer jedoch verbrannten die schattenlosen Flächen von gelb zu totenbleich, während sich unter den Bäumen ein Hauch von Grün hielt. Auch der Aufenthalt am Nachmittag war unter einem der Bäume möglich, auf der Terrasse trotz Abschattung dagegen nur schwer erträglich. Wenn das schon auf einem kleinen Grundstück so wirkt, wie ist das bei Millionen von Quadratmetern, wenn das ganze Jahr Hochsommer herrscht?

KINO-UPDATE. Über den alternativen Nobelpreis wird viel zu wenig berichtet, habe ich gestern Abend gedacht. Tony Rinaudo, ein Australier, erhielt ihn 2018. Der Preis steht nicht im Mittelpunkt des Dokumentarfilmes von Volker Schlöndorff, vielmehr ist es die Persönlichkeit Rinaudos. Als ganz junger Mann geht er mit seiner ebenso jungen Frau nach Afrika. Er beteiligt sich an einem großen Wiederaufforstungsprogramm, das spektakulär beworben wird und ebenso grandios scheitert. Das erfährt man in Rückblenden, während Schlöndorff mit Rinaudo in Nigeria Dörfer besucht und sich nach den Ergebnissen seines Projektes erkundigt. Rinaudo sitzt mit den Dorfmitgliedern im Kreis, spricht die dortige Sprache Haussa, macht Witze und lacht. Ganz offensichtlich ist „der verrückte weiße Farmer“ einer, den sie anerkennen, dem man glaubt.

Während der großen Hungersnot in den Jahren 1984/85 findet er eine ganz eigene Form der Wiederaufforstung, die neben einem scharfen Messer überhaupt kein technisches Gerät benötigt. Wichtig ist nur, dass die Bauern der Gegend überzeugt werden. Denn plötzlich sollen sie Bäume stehen lassen und Wurzelwerk nicht mehr ausgraben. Das hatte man ihnen in den Jahren zuvor ganz anders erzählt. Dort, wo Rinaudo mit seinem Projekt Unterstützung findet, wird die Steppe wieder grün und die Erträge steigen. Das ist auch bitter nötig, den Schlöndorff zeigt den Teil Afrikas, indem die Frauen sich tagtäglich mit harter Arbeit abmühen, um ihre Kinder zu ernähren, während die Männer in die Städte verschwinden, um dort nach Arbeit zu suchen. Ein reines Wunder, dass noch nicht alle aus dieser Gegend rund um die Sahel-Zone geflohen sind. Rinaudos Initiative trägt Früchte, im wahrsten und im übertragenen Sinne des Wortes.

Auf dem Markt gibt es übrigens Rosen aus fairem Anbau – aus Äthiopien. Sind die Einnahmequelle und ein verlässlicher Arbeitsplatz für die Menschen entscheidend – oder sollte nicht brauchbarer Boden für heimische Lebensmittel verwendet werden? Das ist nicht so leicht zu entscheiden wie eine Empfehlung für diesen Film auszusprechen. „Der Waldmacher“ sollte man sich ansehen.

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