Gegartes

Die Planung des Weihnachtsmenüs scheint bei vielen Leuten schon abgeschlossen zu sein, meistens höre ich von Gänsen, die, mit oder ohne Apfel im Inneren, in der Röhre vor sich hinschmurgeln sollen. Mich reizt die Gans selbst überhaupt nicht, aber die Vorstellung, dass es EIN Gericht gibt, auf das sich die gesamte Tischgesellschaft gleichermaßen freut. Sowas wünsche ich mir auch. Es ist nicht erforderlich, dass den Essern beim ersten Bissen Tränen der Rührung und Begeisterung in die Augen treten. Ich wäre vollkommen zufrieden, wenn es einfach schmeckt.

KINO-UPDATE. Tyler ist mit jeder Faser seines Herzens ein Foodie. Als er im exklusiven Restaurant Hawthorn die ersten Gänge serviert bekommt, weint er vor Begeisterung. Seine Begleitung Margot findet das zwar sowohl befremdlich als auch affig, hält sich aber mit ihrer Meinung zunächst noch zurück. Außer dem jungen Paar gibt es nur wenige weitere, auserlesene Gäste. Ein älteres Paar Stammgäste, einen abgehalfterten Promi mit Freundin, drei junge Geschäftsmänner sowie eine gefürchtete Restaurantkritikerin samt devotem Verleger. Absoluter gottgleicher Herrscher dieses Reiches ist Starkoch Slowik. Aus dieser Konstellation könnte man viele Filme machen. Wer erwägt, the MENU im Kino zu sehen, sollte sich neben reichlich Foodporn-Bilderflut auch auf weniger schmackhafte Bilder einstellen und mit dem Lesen des Beitrags an dieser Stelle aufhören.

Hallo alle anderen! Wie gesagt, man könnte viele Filme daraus machen. Produzent Adam McKay soll erklärt haben, dass ihm am Drehbuch ganz besonders die Verbindung von Humor und beißender Satire gefallen habe. Der Part, der die Auswüchse der Spitzengastronomie aufs Korn nimmt, hat mir gut gefallen. Was dazu geschmacklich nicht gut passte, war die Geschichte des an Leben und Beruf verzweifelten Koch-Superstars, der sein letztes Mahl kreiert und alle, fast alle, Gäste und die gesamte ergebene Crew mit in den Tod nimmt. Ne, also von kollektivem Selbstmord halte ich nix, auch wenn das Gesellschaftskritik gewesen sein soll. Und dass ausgerechnet ein Cheeseburger der jungen Margot das Leben rettet, den der Chefkoch als letztes Gericht seines Lebens mit Hingabe zubereitet, ist auch gar nicht so schrecklich witzig. Eine Lehre fürs Leben kann man mitnehmen: Edelrestaurants auf winzigen, nur mit Boot erreichbaren, Inseln sollte man meiden. Kocht euch lieber ein paar Spaghetti.

4 Kommentare

  1. Als Weihnachtsmuffel gehe ich an Weihnachten einfach zum Döner-Imbiss.
    Beziehungsweise dieses Jahr wahrscheinlich zur Pommes-Bude, weil ich dann in Belgien weilen werde.

    Nur gut, dass ich um Edelrestaurants sowieso immer einen weiten Bogen mache.
    Außer das eine Mal auf Guernsey.
    Ich war ein paar Tage Wandern gewesen, hatte draußen geschlafen, auch im Sturm und Regen, und dann war da plötzlich mein Geburtstag, und ich lief an einem französisch aussehenden Restaurant vorbei, und ich wollte unbedingt ein Steak.
    Aber ich sah noch landstreichiger aus als sonst, damals sogar mit Bart.
    Trotzdem ging ich in das Restaurant und war sehr positiv angetan, als der Kellner mich mit „Bonjour, Monsieur“ begrüßte und wirklich nichts, absolut nichts in seinem Blick, in seiner Stimme und in seinem Gebaren darauf hindeuten ließ, dass ich aus der sonstigen Klientel herausstach.

    Danach war ich so satt und platt, dass ich doch für ein einziges Mal in ein Hotel ging. Schließlich war, wie gesagt, mein Geburtstag. Die hatten da sogar so eine gelbe Plastikente in der Badewanne, kann ich mich erinnern.

    Also, ich glaube, Guernsey kann man ausnehmen von den gefährlichen Inseln.

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      1. Absolut empfehlenswert!

        Schöne Kombination aus englisch und französisch. Ganz entspannt, auf Sark nicht einmal Autos. Und ziemlich viel Geschichte, von prähistorischen Megalith-Anlagen bis zu den größenwahnsinnigen U-Boot-Tunneln, die die Nazis unter die Inseln gebohrt haben. (Die unverwüstlichen Bunker entlang der Küste waren das eine oder andere Mal mein Nachtlager.)

        Und lustig ist es, wenn man an einem kleinen Bauernhaus vorbeikommt und auf den Briefkasten blickt. Da sind dann tatsächlich 10 Schilder aufgeklebt, von Deutsche Bank Vermögensverwaltung GmbH bis Credit Suisse Microfinance Ltd.

        Gefällt 3 Personen

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