Ich weiß, was du gesehen hast

Dich kenne ich! So mag man denken, wenn man von einer Person drei Dinge weiß : Geburtsjahr, Herkunftsland und Beruf. So ging es mir, als ich den Autor eines mir unbekannten Werkes googelte. Buchhändler und Illustrator, also ein Mensch mit Sinn für Ästhetik, der in Bildern denkt und um die Macht von Formen und Farben weiß. Engländer, weit im Südwesten lebend. London, die stinkende Großstadt, Sitz der Finanzhaie und des Establishments schätzt er also nicht. Geboren 1966, genau wie ich. Ganz sicher ist er vertraut mit der ewigen Star Wars – Problematik (Ich bin dein Vater). Davon gibt es ja zwei Varianten, zum Teil auch in Mischformen: Der böse Vater ist gar nicht so böse oder, weniger entspannt, ich bin meinem bösen Vater viel ähnlicher, als mir lieb ist. Natürlich kennt er auch Frankenstein gut. Und ganz bestimmt hat er mit der kleinen Dorothy mitgefiebert auf ihrem langen Weg durch das Zauberland Oz. Mit all dem im Kopf hat Philip Reeve eine eigene Welt entwickelt und einen Roman für Jugendliche geschrieben. Und dann kam Peter Jackson…KINO-UPDATE. Dessen Bombastizismus hatte ja schon den armen kleinen Hobbit ganz schön verorkt. Jetzt hat er sich an Mortal engines – Krieg der Städte richtig ausgelassen. Was es alles zu sehen gibt, passt kaum auf die Leinwand. Viel mehr als die Tonnen von Metall, die da durch die Gegend rollen, hätte mich die Geschichte der durchaus spannenden, rothaarigen Hauptfigur Hester Shaw interessiert. Ihr sein Herz suchender „Blechmann“ ist so eine Art Zombie – Frankenstein. Wer hat ihn geschaffen? Warum kümmert er sich um das kleine, verletzte Mädchen? Darüber hätte ich gern mehr erfahren. Keine Ahnung, ob man in den Romanen mehr darüber lesen kann. Jackson inszeniert lieber hohe chinesische Mauern, prächtige Luftstädte und viele schmutzige Fingernägel. Am Schluss ist die Raubstadt London vorläufig bezwungen und Hester macht sich auf, mit ihrem Freund Tom das zu entdecken, was von der Welt noch übrig ist. Man darf gespannt sein, ob Jackson von der Geschichte noch was übrig lässt, wenn er den zweiten Teil dreht. Ich stelle mich mit dem aufgespannten Regenschirm in den Wind und warte ab…

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