Sterne gucken

Die Lyrikreihe stößt selten auf ungeteilte Begeisterung. Komprimierte und verschlüsselte Texte werden nicht als Challenge, sondern als Zumutung aufgefasst, Minderheitsmeinungen zugestanden. Aber sind wir erst einmal in der Romantik angelangt, lassen sich die Widerspenstigen zähmen. Wenn „die goldnen Sternlein prangen“ erwischen die meisten zumindest eine Ahnung dieser zwischen Heimweh und Fernweh angesiedelten melancholischen Stimmung. Die Erfahrung wunderschöner sternklarer Nächte am Lagerfeuer oder in der freien Natur ist auch nach fast 200 Jahren noch nachvollziehbar. Wenn die Sterne zum Greifen nah sind, hat das etwas Erhebendes, weswegen der Ausdruck auch gut als Metapher taugt. Tut mir leid, wenn ich die Stimmung mit dem gleichfalls schön bildhaften „sternhagelvoll“ wieder kaputtmachen muss.

KINO-UPDATE Double Feature. Sternhagelvoll sind mindestens die Hälfte der Gäste des „Leuchtturms“. In typischer Kneipenmanier wird entsetzlich viel Unsinn geredet, ich fand das nur etwas nervig, mein Mann so langweilig, dass er fast eingeschlafen wäre. Zum Glück war es nur ein Kurzfilm, vier weitere folgten als Beitrag zum Kurzfilm-Wettbewerb des Filmfestivals in Münster. Sehr bewegend, wenn auch an die Nieren gehend war die Geschichte einer völlig durchgedrehten Mutter, die sich nach 26 Jahren von ihrer Tochter zur Hinrichtung des Mörders ihres Sohnes fahren lässt. Gedreht natürlich im Land der Stars and Stripes von einem englischen Jungregisseur, der dem Publikum sogar anschließend für Fragen zur Verfügung stand. Am besten aus diesem Block gefiel uns der Animationsfilm über einen kleinen Jungen, der die Diagnose erhält, dass er vermutlich eine Katze ist. Am Ende ruft er seiner kleinen Freundin vom Balkon aus zu, dass er keine Lust dazu hat, sondern ein Superheld ist. Na klar, antwortet die Freundin, sie hätte das gewusst. Im übrigen sei sie eine Prinzessin.

Unser Bedarf an Experimenten war auf jeden Fall gedeckt, zurück zu den Sternen. Ganz viel Brad Pitt bekommt man zu sehen. Seine Reise in den Weltraum ist eine konsequente Gesprächstherapie, er geht schonungslos mit sich ins Gericht, reist ins All und kommt am Ende bei sich selbst an. Dazwischen gibt es in AD ASTRA allerlei, was den Science-Fiction-Fan begeistert: Besiedelte und umkämpfte Regionen auf Mond und Mars, aus dem Ruder gelaufene Experimente, spektakuläre Bilder von Welrtraumspaziergängen und überhaupt eine fantastisch realistisch wirkende Ausstattung. Klar wird auch : Die Probleme der Menschheit werden wir nicht im All lösen, sondern nur überall dorthin mitnehmen, wo wir uns niederlassen. Auch wenn auf Mond und Mars die Sterne näher erscheinen..

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