Mogelpackung?

Die bewusste Täuschung des Verbrauchers durch Einpacken von viel Luft wurde letztlich in den Medien nicht mehr so häufig thematisiert. Eher geht es ja darum, verpackungs- und plastikfrei einzukaufen, im besten Fall sogar eigene Behälter mitzubringen. Oder hat sich nur mein eigenes Einkaufsverhalten verändert? Eine schöne, opulente Verpackung kann schon Teil eines Geschenkes sein und Anlass sich zu freuen, auch wenn darin nur eine Flasche Wein oder eine Tafel Schokolade steckt. Der kommende Sonntag wird aus gegebenem Anlass dafür viele Beispiele liefern… Dass der Inhalt einer Sache nicht dem entspricht, was man sich vom Äußeren erhoffte, muss auch nicht unbedingt böse Absicht sein, manchmal ist es einfach Pech. So heißt dieser Monat zwar Mai und dieses Wochenende finden Frühlingsfeste statt, zu denen man aber besser mit dicker Winterjacke und stabilem Regenschirm geht. Überhaupt ist auch der schneidende Wind unbehaglich, was Menschen dazu verleiten kann, ins Kino zu gehen.

Und wenn das Plakat zwei der aktuell ansehnlichsten Menschen und beliebtesten Schauspieler ankündigt, nämlich Matthew Mc Conaughey und Anne Hathaway, dann kann man sich schon mal Im Netz der Versuchung fangen lassen. KINO-UPDATE. Im Original heißt der Film Serenity, was man mit „Gelassenheit“ oder „heitere Gemütsruhe“ übersetzen kann. Ein schöner Name für ein Fischerboot, in diesem Fall das von Baker Bill (Mc Conaughey), der damit jeden Tag rausfährt. Zwar muss er mit der Belustigung von Touristen Geld verdienen, aber sein eigentliches Ziel ist die Jagd auf DEN großen Thunfisch. Der Film beginnt also wie „Der alte Mann und das Meer“, nur dass der Protagonist kein alter Mann ist und mit vollem(!) Körpereinsatz den gesamten Film über alles zeigt, was er so zu bieten hat. Ja, das ist eigentlich schon das Erfreulichste am ganzen Film. Wobei: Fun-Fact am Rande: Der für die Musik verantwortlich zeichnende Herr heißt Benjamin Wallfisch:)

Es geht dann weiter mit einer inflationsbedingt angepassten Version von „Ein unmoralisches Angebot“. Bakers ehemalige Frau taucht auf und fleht mit Hathaways wirkungsvollen Rehaugen den Fischermann an, ihren derzeitigen Ehemann Frank bei einer Hochseefischtour umzubringen – für 10 Millionen Dollar. Denn er quält nicht nur sie, sondern ängstigt auch seinen Stiefsohn Patrick. Jason Clarke spielt diesen sadistischen, großkotzigen, kinderschänderischen Widerling so gut, dass sich im Publikum sicher mehrere Leute gefunden hätten, die das Ganze auch ohne Bezahlung gerne erledigt hätten. So weit, so gut. Dann begibt Regisseur Steven Knight sich auf eine halsbrecherische Seiltänzerei zwischen „Matrix“ und „Tron“. Baker kommt ins Grübeln und stellt plötzlich fest, dass er nur eine Figur in einem Computerspiel ist. Dem Zuschauer wird spätestens hier bewusst, dass er an vielen Stellen nicht so gut hingesehen hat, nun aber nachvollziehbar ist, warum dieser Hafen merkwürdig unbelebt erscheint und die Leute die ganze Zeit das gleiche Zeug von sich geben. Seinen Mitspielern scheint das nicht klar zu sein, nur dem komischen Typen mit dem Koffer, der ihm schon länger folgt. Baker weiß nicht so recht, wie er mit der Sache umgehen soll, aber schließlich sorgt er doch dafür, dass Mr Kotzbrocken über Bord geht. Die Haie sind nicht weit… Dann ist die Seiltänzerei vorbei und der Film stürzt ab ins Bodenlose. An dieser Stelle sieht man Sohn Patrick, den man aus einigen Zwischenschnitten kennt, von seinem Computer aufstehen und ein großes Messer zur Hand nehmen. Eine Nachrichtensprecherin erläutert später, der 13-Jährige habe seinen gewalttätigen Stiefvater umgebracht, aufgrund mildernder Umstände bleibe er aber in der Obhut der Mutter. Ernsthaft? Und um noch einen draufzusetzen, kehrt die Szenerie zurück auf die virtuelle Insel Plymouth Island, wo Vater und Sohn sich strahlend in die Arme fallen. Totalversagen des für Originalität so gelobten Regisseurs und Drehbuchschreibers. Der Film dauert 107 Minuten.

Empfehlung: Nach 85 min das Kino verlassen, irgendwo was trinken gehen und sich ein schlüssigeres Ende überlegen.

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