Im Einsatz

 

Ist mit dem Namen im Titel automatisch der „Held“ gemeint? Schon oft habe ich dieses Stück im Unterricht besprochen, für die Schüler ist es jedesmal neu. Diesmal nähern wir uns der Titelfigur über die Zeichnung von Klaus Ensikat auf einem Cover. Ein bedauernswertes, trauriges Äffchen in Soldatenuniform führt den Kurs zu der These, dass es sich bei Woyzeck nur um einen Anti-Helden handeln könne. Woyzeck steht nicht an der Front, trotzdem ist er ständig im Einsatz. Er setzt sich nicht selbst ein, am wenigsten für eigene Belange. Sein lamoryanter Hauptmann benutzt ihn zur täglichen Selbsterhöhung, der Doktor verwendet ihn als Versuchskaninchen für sinnlose Experimente. Ein wesentlicher Bestandteil soldatischer Existenz war und ist die Unterordnung. Höhere Ziele, die Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns, werden bestimmt von „Oben“.

KINO-UPDATE. Blake ist der Sinn des Auftrags unmittelbar klar. Er soll sich hinter die feindlichen Linien begeben, um zu verhindern, dass ein Teil der eigenen Truppe, unter ihnen sein großer Bruder, in einen Hinterhalt gerät. Dean-Charles Chapman spielt diesen gutmütigen jungen Mann. Er hält sich an die naheliegenden Fragen nach Essen und Trinken. Für diese Mission nimmt er allen Mut zusammen. Seinen Kameraden Schofield (George MacKay) wählt er eher zufällig aus. Durch die schlammigen Stellungsgräben und das verwüstete Niemandsland machen sie sich mit aufgepflanztem Bajonett auf den Weg.

Besonders an diesem Film ist eine Menge. 1917 hat mich durch die schauspielerische Leistung der beiden Hauptdarsteller überzeugt. Regisseur Sam Mendes wird ja gefeiert (und Oscar-nominiert) wegen der besonderen Kameraführung. Wir stecken mit im Schlamm, robben an toten Pferden vorbei, erleben berührende kurze Momente angesichts einer jungen Frau mit Baby, ertrinken fast im reißenden Fluss. Die absurde, monströse Sinnlosigkeit des Krieges zeigt Mendes in jeder Szene. Wenn man dem Film überhaupt etwas vorwerfen kann, dann vielleicht, dass die Soldaten in einer höllischen Wüstenei herumstolpern wie die Hobbits in Mordor. Die ästhetische Schrecklichkeit bewirkt – bei mir – ein zeitweiliges Abdriften in die Phantasterei. Denn dass Menschen soetwas mitmachen, sich dafür einsetzen lassen, kann doch einfach nicht wahr sein.

Fazit: Sehr sehenswert.

 

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